XIX
Complete identifier
WENT, XIX
Fonds
Identification (short)
Title
Title
Traditionsverband Panzergrenadierbrigade 16
Fonds data
Contents
Contents
Zwischen 1936 und 1938 wurden in der Gemeinde Wentorf bei Hamburg zwei Kasernen für die Wehrmacht errichtet. Mit Unterbrechungen wurden diese Kasernen bis zu ihrer Auflösung 1994 von militärischen Verbänden genutzt. Wentorf war damit über nahezu sechs Jahrzehnte Garnisonsstandort und die Kasernenanlagen und ihre jeweilige Nutzung prägten die Gemeinde baulich, wirtschaftlich und gesellschaftlich tiefgreifend. Die ab 2018/19 in das Gemeindearchiv übergebene Sammlung des Traditionsverbands Panzergrenadierbrigade 16 „Herzogtum Lauenburg“ e.V. stellt daher eine wichtige Facette der ortgeschichtlichen Überlieferung dar.
History of creator
History of creator
Die Panzergrenadierbrigade 16
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Aufstellung von Streitkräften für die junge Bundesrepublik gesellschaftlich unpopulär und politisch umstritten. Das Petersberger Abkommen von 1949 beinhaltete den Verzicht auf eine westdeutsche Wiederbewaffnung. Die zunehmenden geopolitischen Spannungen veränderten diese Auffassung bald, wenngleich es weiterhin innenpolitische Kontroversen über die Wiederbewaffnung gab. Doch der Koreakrieg, die Aufrüstung im sowjetischen Einflussbereich und die direkte Lage der Bundesrepublik an der politischen Blockgrenze ebneten der Stimmung zugunsten einer Armeebildung den Weg. Die Bundesrepublik wurde Mitglied der NATO und 1956 wurde zunächst eine Bundeswehr aus Freiwilligen gebildet, im gleichen Jahr schließlich die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht durch den Bundestag beschlossen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Aufstellung von Streitkräften für die junge Bundesrepublik gesellschaftlich unpopulär und politisch umstritten. Das Petersberger Abkommen von 1949 beinhaltete den Verzicht auf eine westdeutsche Wiederbewaffnung. Die zunehmenden geopolitischen Spannungen veränderten diese Auffassung bald, wenngleich es weiterhin innenpolitische Kontroversen über die Wiederbewaffnung gab. Doch der Koreakrieg, die Aufrüstung im sowjetischen Einflussbereich und die direkte Lage der Bundesrepublik an der politischen Blockgrenze ebneten der Stimmung zugunsten einer Armeebildung den Weg. Die Bundesrepublik wurde Mitglied der NATO und 1956 wurde zunächst eine Bundeswehr aus Freiwilligen gebildet, im gleichen Jahr schließlich die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht durch den Bundestag beschlossen.
In diesem Kontext lag der Ursprung der Panzergrenadierbrigade 16 im Aufstellungsbefehl Nr.98 vom November 1957: Darin wurde die Bildung der Kampfgruppe A6 am Kasernenstandort Flensburg angeordnet. Im Rahmen der damaligen Heeresstruktur 1 der Bundeswehr umfasste die Kampfgruppe neben Stab und Stabskompanie drei Grenadierbataillone und eine Panzeraufklärungskompanie. Bereits 1959 erfolgte mit dem Übergang in die Heeresstruktur 2 eine größere Reform. Aus der Kampfgruppe A6 wurde die Panzergrenadierbrigade 16, die fortan Teil der überwiegend in Schleswig-Holstein platzierten 6. Panzergrenadierdivision war. Die drei Panzergrenadierbataillone 161, 162 und 163 bildeten nun den Kern der Brigade, hinzu kamen mehrere selbstständige Einheiten wie eine Panzerjägerkompanie und eine Panzerpionierkompanie.
Die 1960er Jahre brachten der Brigade weitere weitreichende Veränderungen in ihrer Zusammensetzung, ihren Kernaufgaben und in Bezug auf die Standorte ihrer Einheiten. Zum einen fungierte die Panzergrenadierbrigade 16 zwischen 1960 und 1964 überwiegend als Ausbildungsverband der Division. Parallel wurde ihre Formation zum anderen durch neugeschaffene Einheiten, darunter das Panzerbataillon 164 und ein Artilleriebataillon, erweitert. Insbesondere wandelte sich aber das strategische Konzept der NATO-Partner in diesem Jahrzehnt. Der neue Ansatz der Vorneverteidigung machte eine Verlegung der Brigadeeinheiten von nördlich des Nord-Ostseekanals in den Süden Schleswig-Holsteins notwendig, in den unmittelbar an der innerdeutschen Grenze gelegenen Kreis Herzogtum Lauenburg. Bis 1972 siedelten die Verbände nach und nach in die Kasernen in Wentorf und Elmenhorst über. Gleichzeitig brachte die ab 1970 wirksame Heeresstruktur 3 der Bundeswehr zahlreiche Umgruppierungen in den einzelnen Kompanien und Bataillonen mit sich. Letztmals vor der Wiedervereinigung stand 1981 mit der Heeresstruktur 4 eine Umgliederung der Brigade an, in deren Folge das Panzergrenadierbataillon 161 und das Jägerbataillon neugebildet wurden.
Herausragende Ereignisse in der Geschichte der Panzergrenadierbrigade waren mehrere Hilfseinsätze ihrer Einheiten bei Naturkatastrophen im norddeutschen Raum, so bei der Bewältigung der Sturmflut von 1962 und des Rekordschneefalls von 1979. Regelmäßig wurden ihre Verbände bei den regionalen und internationalen Manövern der Streitkräfte gefordert. Hierzu zählten insbesondere die NATO-Übungen, neben anderen „Land Rover“ (1968), „Battle Cry“ (1969) und „Bold Guard“ (1974-1986). Die Brigade war insbesondere in den 1970er Jahren wiederholt in der Öffentlichkeit präsent durch die Abhaltung der Gelöbnisse mit Großem Zapfenstreich in verschiedenen Städten des Kreises und erhielt in den Jahrzehnten ihres Bestehens Besuche hochrangiger politischer Vertreter, darunter der Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß, Hans Apel und Gerhard Stoltenberg. Auf Anregung des Landrats Günter Kröpelin wurde der Panzergrenadierbrigade 16 1987 der Beiname „Herzogtum Lauenburg“ verliehen, womit sie der erste militärische Großverband in Deutschland mit einem solchen regionalen Beinamen war. 1989 wurde eine Patenschaft mit der dänischen 2. Jyske Brigade geschlossen.
Am Ende der 1980er Jahre waren bei der Brigade insgesamt mehr als 4.500 Personen beschäftigt; neben 2.400 Wehrpflichtigen, 1.400 Zeitsoldaten und 200 Berufssoldaten waren dies über 500 zivile Beschäftigte. Mit dem Fall der Berliner Mauer und der deutschen Wiedervereinigung 1989/90 fiel die Kampfbereitschaft im innerdeutschen und geopolitischen Kriegsfall als Hauptzweck der Brigade weg. Hochrangige Angehörige der Brigade waren nun am Aufbau und der Eingliederung des neuen ostdeutschen Teils der Bundeswehr in leitenden Funktionen beteiligt. Die neue Heeresstruktur 5 sah ab 1990 vor allem eine deutliche Reduzierung der Truppenstärke vor, so dass innerhalb der Brigade mehrere Einheiten aufgelöst, zusammengeführt oder in andere Brigaden unterstellt wurden. Im Dezember 1992 kündigte das Bundesverteidigungsministerium an, die Panzergrenadierbrigade 16 gänzlich aufzulösen. Nachdem bereits viele einzelne Einheiten aufgelöst worden waren, wurde die Brigade im Mai 1994 mit einem Großen Zapfenstreich in Wentorf außer Dienst gestellt.
Die Einheiten der Panzergrenadierbrigade 16
Stabskompanie (1957-1994) / Panzerpionierkompanie 160 (1959-1994) / Instandsetzungskompanie 160 (1972-1993) / Nachschubkompanie 160 (1972-1994)
Panzergrenadierbataillon 161 (1981-1991) / Panzergrenadierbataillon 162 (1958-1994) / Panzergrenadierbataillon 163 (1956-1993) / Panzerbataillon 164 (1961-1994) / Panzerartilleriebataillon 165 (1962-1993) / Jägerbataillon 66 (1981-1992) / Feldersatzbataillon 167 (1962-1993)
Stabskompanie (1957-1994) / Panzerpionierkompanie 160 (1959-1994) / Instandsetzungskompanie 160 (1972-1993) / Nachschubkompanie 160 (1972-1994)
Panzergrenadierbataillon 161 (1981-1991) / Panzergrenadierbataillon 162 (1958-1994) / Panzergrenadierbataillon 163 (1956-1993) / Panzerbataillon 164 (1961-1994) / Panzerartilleriebataillon 165 (1962-1993) / Jägerbataillon 66 (1981-1992) / Feldersatzbataillon 167 (1962-1993)
Der Traditionsverband Panzergrenadierbrigade 16 „Herzogtum Lauenburg“
Als im Dezember 1992 der Beschluss zur Auflösung der Panzergrenadierbrigade 16 bekannt wurde, entstand in der Brigadeführung und den Einheiten der Wunsch, die Traditionen des Verbands, die engen Kontakte zu seinen Ehemaligen und die gewachsenen gesellschaftlichen Verbindungen in die Kommunen weiterzupflegen. Der Traditionsverband Panzergrenadierbrigade 16 „Herzogtum Lauenburg“ e.V. wurde im November 1993 gegründet.
Seit der Auflösung der Brigade 1994 organisierte der Verband regelmäßig Vortragsabende überwiegend zu verteidigungspolitischen oder militärhistorischen Themen, Ausstellungen, Konzerte, Exkursionen oder Reisen und richtete Feste für seine Mitglieder und die benachbarten Bürgerinnen und Bürger aus. Arbeitsgruppen innerhalb des Verbandsvorstands sammelten das noch vorhandene Schriftgut der Brigade und ihrer Gliederungen ein und bereiteten es für die jeweiligen Chroniken auf. In den 1990er Jahren sicherte der Verband zudem Varia wie Urkunden und Wappen sowie die Lettern der Kasernenanlagen, Gedenksteine und weitere Zierobjekte und Devotionalien der früheren Dienstgebäude vor der Vernichtung und stellte sie neu aus.
Nachdem der Traditionsverband in den 1990er Jahren über 2.000 Mitglieder gezählt hatte, lösten sich angesichts der immer länger zurückliegenden aktiven militärischen Zeit vermehrt die beteiligten Ehemaligenvereine auf und die Mitgliedszahlen des Verbands sanken ebenfalls. Im April 2019 beschloss der Vorstand die Auflösung des Verbands, die im Jahresverlauf 2020 mit dem Entscheid des Registergerichts Lübeck umgesetzt wurde.
Als im Dezember 1992 der Beschluss zur Auflösung der Panzergrenadierbrigade 16 bekannt wurde, entstand in der Brigadeführung und den Einheiten der Wunsch, die Traditionen des Verbands, die engen Kontakte zu seinen Ehemaligen und die gewachsenen gesellschaftlichen Verbindungen in die Kommunen weiterzupflegen. Der Traditionsverband Panzergrenadierbrigade 16 „Herzogtum Lauenburg“ e.V. wurde im November 1993 gegründet.
Seit der Auflösung der Brigade 1994 organisierte der Verband regelmäßig Vortragsabende überwiegend zu verteidigungspolitischen oder militärhistorischen Themen, Ausstellungen, Konzerte, Exkursionen oder Reisen und richtete Feste für seine Mitglieder und die benachbarten Bürgerinnen und Bürger aus. Arbeitsgruppen innerhalb des Verbandsvorstands sammelten das noch vorhandene Schriftgut der Brigade und ihrer Gliederungen ein und bereiteten es für die jeweiligen Chroniken auf. In den 1990er Jahren sicherte der Verband zudem Varia wie Urkunden und Wappen sowie die Lettern der Kasernenanlagen, Gedenksteine und weitere Zierobjekte und Devotionalien der früheren Dienstgebäude vor der Vernichtung und stellte sie neu aus.
Nachdem der Traditionsverband in den 1990er Jahren über 2.000 Mitglieder gezählt hatte, lösten sich angesichts der immer länger zurückliegenden aktiven militärischen Zeit vermehrt die beteiligten Ehemaligenvereine auf und die Mitgliedszahlen des Verbands sanken ebenfalls. Im April 2019 beschloss der Vorstand die Auflösung des Verbands, die im Jahresverlauf 2020 mit dem Entscheid des Registergerichts Lübeck umgesetzt wurde.