B 1.0

Complete identifier

KStASF, B 1.0

Fonds


Identification (short)


Title Title
Hauptamt der Verwaltung des Kreises Flensburg-Land
Life span Life span
1945-74

Fonds data


Contents Contents
Die Akten des Hauptamts der Kreisverwaltung Flensburg-Land, Zeitraum 1945 bis 1974, gelangten in den Jahren 1990 und 1991 ins Kreisarchiv und wurden dort von Kreisarchivar Matthias Schartl systematisch erfaßt, bewertet und verzeichnet. Für diesen Zweck wurden die Akten aus den Archivräumen der Kreisverwaltung in Flensburg, vorzugsweise Keller- und Bodenräume sowie einzelne Dienstzimmer, zusammengetragen. Die Archivierung selbst erfolgte nach dem seit ca. 1951 geltenden Aktenverzeichnis, das lt. Aktenkennzeichnung auch noch im Jahre 1974 zumindest in Teilen gültig war. Somit war eine Zuordnung möglich. Das Aktenverzeichnis eröffnete ebenso die Gelegenheit, Einzelakten in den Be-stand zu integrieren. Deren ursprünglicher Entstehungszusammenhang ist zwar unklar, da das Hauptamt jedoch eine Allzuständigkeit aufweist, erschien diese Zuordnung sachlich gerechtfertigt.

Die Kreisverwaltung
Die eigentliche Verwaltungstätigkeit des Kreises Flensburg wurde weder durch die Kapitu-lation am 8. Mai 1945 noch von der britischen Besatzung unterbrochen. Noch Mitte/Ende Mai 1945 wurde der bisherige Landrat Schröder und dessen Kriegsvertreter Ziemer abge-setzt. Zum neuen Landrat bestimmten die Besatzungsbehörden Prof. Diedrich Preyer. Ihm folgte am 3. Oktober 1945 Johannes Tiedje. Der neue Kreistag wurde im Dezember 1945 ernannt. Auf seiner ersten Sitzung am 13. Januar 1946 wählte er Friedrich Wilhelm Lübke zum Landrat, der am 4. Februar von den Besatzungsbehörden bestätigt wurde.
Am 1. Februar 1946 erließ die britische Besatzungsbehörde neue Verwaltungsgrundsätze, die die Einführung einer Ratsverfassung mit doppelter Verwaltungsspitze vorsah. Die Selbstverwaltung repräsentierte der im September 1946 zu wählende Kreistag. Landrat Lübke blieb ehrenamtlich in seiner Position tätig. An der Spitze der Verwaltung stand Kreisdirektor Alwin Hauschildt, der die Leitung der Verwaltung und die Aufsicht über den Dienstbetrieb in allen Abteilungen einschließlich des Personalwesens wahrnahm.
Mit der schleswig-holsteinischen Kreisordnung vom 27. Februar 1950 wurde den Kreisen sämtliche Möglichkeiten einer umfassenden kommunalen Selbstverwaltung zurückgege-ben. Die Verwaltung wurde nach demokratischen Grundsätzen neu geregelt. Der Kreistag unter der Leitung des bis 1966 ehrenamtlich tätigen Kreispräsidenten Peter Jensen (Ausa-cker) entschied von nun an über sämtliche Aufgaben des Kreises und überwachte diese. Der Kreisausschuß unter dem Vorsitz des Landrats (seit 1954 Hartwig Schlegelberger, 1962 Gerd Lausen, 1973 Armin Schütz) leitete die Verwaltung und die Landräte selbst führten als Chef der Verwaltung alle Aufgaben durch, die nach Weisung übertragen wurden. Auf diese Weise entstand eine durch beständig wachsende Aufgabenfelder gekenn-zeichnete leistungsfähige und demokratisch kontrollierte Verwaltung. Als Leiter des Hauptamtes fungierten von 1947 an die Kreisinspektoren Hinrich Grönhoff, Clausen, Hansen und Peter Ludwigsen.

Überblick über den Bestand
In den Bestand B 1.0 wurden die durch das Aktenverzeichnis vorgegebene Aktenüberlieferung des Hauptamtes Flensburg-Land integriert. Da das Hauptamt als wichtigste Abteilung der Verwaltung Allzuständigkeit besaß, wurde bei der Archivierung nur geringfügig kassiert. Der Bestand umfasst somit 697 Aktennummern.
Enthalten hierin sind die Protokolle des Kreistages und des Kreisausschusses 1946 bis 1974. Die ebenso erfasste Überlieferung der politischen Ausschüsse und Kommissionen beinhaltet nur zum Teil die Protokolle. Die Protokolle wurden deshalb auch in den Beständen der übrigen Verwaltungsabteilungen aufgenommen.
Eine Besonderheit bilden die beruflichen Handakten der Landräte Friedrich W. Lübke (1946-1954), Hartwig Schlegelberger (1954-1962) und Gerd Lausen (1962-1972). Die Handakten Lübkes geben dabei besonderen Aufschluss über die Entwicklung des ""Südschleswigprob-lems"" nach 1945. Außerdem beinhalten sie Teile seiner umfangreichen Korrespondenz, z.B. bei Entnazifizierungsangelegenheiten. Die Handakten Schlegelbergers umfassen auch den Zeitraum 1946 bis 1954, als dieser noch als Syndikus und Leiter des Wohlfahrts- und des Rechtsamtes tätig war. Die Handakten von Landrat Lausen umfassen vor allem Referate, Vorträge und Reden zum Thema Wirtschaftsförderung und Fremdenverkehr und enthalten darüber hinaus eine umfangreiche Pressedokumentation zur schleswig-holsteinischen Gebietsreform Ende der 60er Jahre.
Weitere Abteilungen bilden das Kreisprüfungsamt, das für die Revision der Kreiskasse sowie für die Prüfung der Ämter und Gemeinden zuständig war und das Rechtsamt. Eine weitere Zuständigkeit besaß das Hauptamt für die Standesamtsaufsicht sowie für die Wah-len und Abstimmungen. Die Überlieferung setzt hier mit der Bundestagswahl 1953 ein.
Integriert in den Bestand wurde lt. Aktenverzeichnis die Dienststelle für allgemeine Kriegsfolgen, die für die Betreuung der im Nationalsozialismus verfolgten Menschen und für die finanzielle Wiedergutmachung der Opfer des NS-Regimes zuständig war (Sonderhilfsausschuß).
Unvollständig erfasst sind zur Zeit noch die Personalakten der Kreisverwaltung. Ein erheblicher Teil ist auch heute noch aktuelles Schriftgut. Ins Archiv übernommen wurden vor allem Personalakten der im Verlauf der 50er und 60er Jahre ausgeschiedenen Beamten und Angestellten sowie der Assessoren und Referendare sowie die Personalakten der nach Art. 131 Grundgesetz wiedereinzustellenden Beamten in die Dienste der Kreisverwaltung. Ebenso beinhaltet der Bestand die Akten des Personal- bzw. Betriebsrats der Verwaltung von 1945 bis 1974.
Der Bestand wurde 2004/ 2005 neu verzeichnet. Einige Personalakten wurden kassiert, eine Kassationsliste befindet sich am Ende des Findbuches. Es wurden neue laufende Nummern vergeben, inhaltlich ist nichts verändert worden.