Abt. 302.GA

Vollständige Signatur

KrA RZ, Abt. 302.GA

Bestand


Identifikation (kurz)


Titel Titel
Gutsarchiv Bliestorf
Laufzeit Laufzeit
1759 - 1866

Bestandsdaten


Bestandsgeschichte Bestandsgeschichte
Im äußersten Norden und Nordwesten des Herzogtums Lauenburg lagen fünf Güter, die lange Zeit die Bezeichnung "lübische Güter" trugen. Ihr Name verdankt sich dem Umstand, dass sie im Spätmittelalter in den Besitz von Lübecker Bürgern gelangt sind und erst in der Neuzeit wieder zu Lauenburg zurückkehrten. Es handelt sich hierbei um Bliestorf, Grinau, Groß Schenkenberg, Kastrof und Rondeshagen. Ebensogut könnte man sie auch Schradersche Güter nennen, denn alle fünf Güter haben sich zwischen 1832 und 1920 über kürzere oder längere Zeit im Besitz der Familie von Schrader befunden, die ihren Stammsitz auf Kulpin hatte.
Während von Rondeshagen, Kastorf und neuerdings auch von Kulpin Gutsarchive vorhanden sind, fehlten solche von Bliestorf, Grinau und Groß Schenkenberg bislang (Stand: FB 2016). Bei Ordnungsarbeiten im Kreisarchiv in Ratzeburg sind einige Stücke aufgetaucht,die aus den bisherigen Beständen ausgeschieden und zu einem Bestand "Gutarchiv Bliestorf" formiert wurden. Obgleich Grinau und Groß Schenkenberg eigenständige Gutsbezirke bilden, schien dies Vorgehen sinnvoll, da die genannten drei Güter enge Beziehungen zueinander aufwiesen und die im Kreisarchiv ermittelten Akten aus Schraderschen Beständen stammten. Die Herren von Schrader gründeten 1832 eine Nebenlinie mit Sitz Bliestorf. Die Akten dieser drei Güter werden daher auch in einem gemeinsamen Findbuch aufgeführt.

Bliestorf:
Allodialgut im Kirchspiel Krummesse; ursprünglich im Besitz der Herren von Crummesse, später des Hermann von Wickede auf Rondeshagen (verst. 1501), kam dann an die von Toden. Der lauenburgische Vizekanzler Anton Köhler (verst. 1658) war später Besitzer von Bliestorf, durch dessen Tochter das Gut an Thomas Heinrich von Wickede auf Kastorf kam. 1747 erbte Oberst Johann Ludwig von der Sode, ihm folgte der Rittmeister Cuno Marquard von der Sode; 1769 kaufte Generalmajor August Vincent von Müller, 1789 Henning von Rumohr, 1832 August Louis Detlef von Schrader auf Kastorf und Grinau, 1910 Rudolph Freiherr von Schröder. Zum Gut Bliestorf gehört neben dem Gutshof das gleichnamige Dorf. Im Jahre 1837 zählten Dorf und Gut zusammen 51 Feuerstellen und 205 Einwohner. Die Landeshoheit über Bliestorf wurde 1747 von Lübeck an Lauenburg abgetreten.

Grinau:
Alodialgut im Kirchspiel Krummesse; Grinau befand sich ursprünglich im Bestiz der Herren von Crummesse und kam später an Hermann von Wickede zu Rondeshagen und Bliestorf (verst. 1501). Durch eine Tochter kam es mit Wulmenau an Gottschalk von Lunten. 1748 dänischer Etatsrat von König, Eigentümer von Grinau, Trenthorst und Wulmenau; 1770 kam Grinau an die Hamburger Kaufleute Jochim Classen und Johann Jochim Nöhring, 1790 an den Landrat Henning von Rumohr auf Bliestorf; 1832 August Louis Detlef von Schrader auf Kastorf und Bliestorf, 1910 Freiherr von Schröder auf Bliestorf. Grinau ist ein Bauerndorf ohne herrschaftlichen Hof; 1837 bestanden 17 Feuerstellen mit 116 Einwohnern. Die Landeshoheit über Grinau wurde 1747 von Lübeck an Lauenburg abgetreten.

Groß Schenkenberg:
Allodialgut im Kirchspiel Krummesse; anfänglich im Besitz der Herren von Crummesse, die 1371 der Stadt Lübeck die Pfandhuldigung leisteten und das Gut 1381 an einen Lübecker Bürger namens Schepenstädt verkauften. Über dessen Tochter kam es an die Patrizier von Kalven, die es bis 1673 besaßen. Thomas von Kalven sagte sich sich 1568 vom Lübecker Rat los und begab sich unter den Schutz des Herzogs von Lauenburg. Heinrich von Kalven verkaufte Schenkenberg 1673 an Thomas von Wetken auf Trenthorst und Wulmenau; 1794 gelangte das Gut an die von Rumohr. Spätere Besitzer waren 1838 J. J. Wentorf, 1900 J. C. F. Hansen, 1904 Friedrich von Schrader auf Bliestorf, 1910 Rudolph Freiherr von Schröder. Zum Gut, das im Jahre 1837 über 72 Feuerstellen mit 302 Einwohnern gebot, gehörten das Dorf Schenkenberg mit Mühle und Ziegelei sowie der Meierhof Rothenhausen. Letzterer wurde 1901 vom Gut getrennt veräußert.

Lange Zeit waren die lauenburgischen Güter zugleich Gerichtsbehörden für die Gutsuntertanen; im Zuge einer Justizreform wurden die adeligen Gerichte 1870 aufgehoben. Ihre Befugnisse gingen auf die neugeschaffenen Amtsgerichte über. Im Falle der Güter Bliestorf, Grinau und Groß Schenkenberg war das das Amtsgericht Steinhorst.

Die Unterlagen des Gutsarchivs Bliestorf wurden 1858 durch den Kulpiner Gutsinspektor Lübbecke verzeichnet. Die darin angeführten Akten sind nicht ins Kreisarchiv gelangt.

Das hier verzeichnete Gutsarchiv ist einer Rekonstruktion; es wurde im Zuge von Ordnungsarbeiten, die im Kreisarchiv in Ratzeburg in den Monaten April bis September 2015 stattfanden, gebildet. Vom Gutsarchiv Rondeshagen stammen die Nummern 1 bis 5, vom Gutsarchiv Kastorf die Nummer 6. Die sechs Akten aus den Jahren 1774 bis 1866 bilden den Kern des kleinen Bestandes.
Die Nummern 7 bis 9 wurden vom Stadtarchiv Mölln abgegeben. Es handelt sich hier um Militärsachen aus den Jahren 1759 bis 1806.

Es liegt u.a. Material vor über den Nachlass des Gutsherren Henning von Rumohr (um 1800), über die Gutsfinanzen (um 1860) und das Archivverzeichnis von 1858 ermöglicht einen Einblick in das, was beim Gericht Bliestorf anhängig war.

Da die lübischen Güter am Dreiländereck Holstein - Lauenburg - Lübeck liegen, kommen auch Lübecker und Holsteiner Behörden für die Forschung in Frage.

Während Schenkenberg über eine Mühle verfügte, waren die beiden anderen Güter zeitweilig Zwangsmehlgäste auswärtiger Mühlen. Bei Grinau war das die Trenthorster Mühle, während die Bliestorfer Bauern lange Zeit in Kastorf mahlen lassen mussten. Es sind also auch die Gutsarchive von Kastorf und Trenthorst heranzuziehen. Schließlich sind noch die obersten Landesbehörden für das Herzogtum Lauenburg zu nennen, deren Unterlagen ins Landesarchiv in Schleswig gelangt sind. Für die hannoversche Zeit (1689-1815) sind das die Geheime Ratsstube Hannover (Abt. 211) und die hannoversche Kammer (Abt. 212). Für die dänische Zeit (1816-1863) kommen in erster Linie die Deutsche Kanzlei Kopenhagen (Abt. 65.1.), die Rentekammer in Kopenhagen (Abt. 66) und das Ministerium für die Herzogtümer Holstein und Lauenburg (Abt. 80) in Frage.
Enthält Enthält
354 Verzeichnungseinheiten

Informationen / Notizen


Zusatzinformationen Zusatzinformationen
Das Archivgut biite folgendermaßen zitieren:
"KrA RZ, Abt. 302.GA Nr. 1"